2. ICSI

Neue Runde, neues Glück?

Die Euphorie war wieder auf Hochtouren, denn dieses Mal sollte es schließlich anders Ablaufen als beim ersten Versuch. Am 26.01.19 einen Tag vor unserem 10 Jährigem Jahrestag begann ich mit Gonal F 100 IE zu spritzen. Relativ schnell merkte ich, dass die Hormone alles gaben und mich überkamen so einige Nebenwirkungen, Übelkeit, Schwindel, ein aufgeblähter Bauch, Völlegefühl und Kurzatmigkeit. Zum Glück hatte ich mich entschieden das letzte Mal am Stimulationstag 4 laufen zu gehen, danach war es körperlich einfach nicht mehr möglich.

Am 01.02.19 hatte ich einen Ultraschalltermin, dort konnte meine Kiwu Ärztin sehen, dass einige Follikel herangewachsen waren  aber noch nicht die optimale Größe hatten. So musste ich insgesamt 10 Tage stimulieren und davon 6 Tage zusätzlich Orgalutran zur Unterdrückung des Eisprungs spritzen.

Am 04.02.19 löste ich pünktlich um 20:45 mit Ovitrelle aus, dann war ich einen Tag spritzenlos und sollte nüchtern am 06.02.19 um 8 Uhr in der Kinderwunschklinik sein. Zum Glück sind meine Eltern und auch der Arbeitgeber meines Mannes super flexibel so konnte unser Sohn bei meinen Eltern übernachten und mein Mann hatte ein paar Tage frei und konnte mich begleiten.

Dieses Mal war ich als erste an der Reihe für die Punktion, es verlief wieder ohne Komplikationen und ich war wieder relativ schnell fit und durfte Frühstücken. Nach einer kurzen Wartezeit wurden wir aufgerufen zu einem Gespräch mit der Ärztin. Sie sagte uns, dass sie insgesamt 10 Eizellen gewinnen konnten und nun auf unseren Wunsch hin, die zwei Besten zur Kultivierung weiter geschickt werden. Auf mein Anliegn hin bekam ich Prolutex und zur Unterstützung nach dem Transfer Brevactid zum Spritzen.

Dann begann die erste schlimme Phase des Wartens, hatten die zwei sich befruchtet, wird es zum Transfer kommen? Einen Tag später kam der erlösende Anruf, erneut hatten es zwei von zwei geschafft. Ich war so glücklich und positiv gestimmt. Am 08.02.19 hatten wir dann das Babyshuttel und dieses Mal mit meiner Ärztin. Sie sagte uns im Vorfeld das Assisted Haching nötig war, das letzte Mal hatte ich es leider nicht als Option angewählt. Ab einer Eizellenhüllen Dicke von 17 Mikrometer wäre es sinnvoll, leider lag der eine  Wert bei 20,49µm und der andere sogar bei 21,47µm. Für mich war das schon ein kleiner Rückschlag, denn es war eine weitere Bestätigung, dass es nicht aus natürlichem Wege klappen könnte, Hoffnung auf ein Wunder hat man ja doch immer minimal. Diese Gedanken versuchte ich so gut wie möglich beiseite zu schieben. Mein Mann filmte ein Stückchen mit als die zwei Embryos zur Identifizierung uns gezeigt wurden. Der eine war ein 4 Zeller in A Qualität und der andere, eigentlich ein 2 Zeller in B Qualität der sich allerdings nochmal weiter geteilt hatte. Und das konnten wir alle auf dem Fernseher deutlich sehen. Sie sahen so schön und gleichmäßig aus. Danach versuchte ich nur das zu machen was mir gut tat.

Aber mein Körper spielte einfach verrückt, ich hatte extreme Kreislaufprobleme. Obwohl ich darauf achtete viel zu trinken und Eiweißreich zu essen wurden die Beschwerden immer schlimmer. Am 14.02.19 also PU+8 & TF+6 beschloss ich in der Kinderwuschklink anzurufen und sie sagten ich sollte auf jeden Fall vorbei kommen, lieber einmal zu viel kontrollieren. Meine Ärztin war an diesem Tag nicht vor Ort und so untersuchte mich eine Kollegin, die ich allerdings schon kannte. Sie war sehr nett und sagte, dass ich auf jeden Fall eine Überstimulation hatte. So bekam ich ein weiteres Rezept und musste zusätzlich Fragmin spritzen zwecks Anti Thrombose.

So vergingen die Tage, meine Gefühle fuhren Achterbahn. Ich hatte zwar die typischen PMS Hitzewallungen aber ansonsten war es anders. Meine Haut sah so gesund aus und man hätte meinen können, dass ich schwanger sei. Eigentlich hatte ich mir ganz fest vorgenommen nicht vorher zu testen aber da ich fast verrückt geworden bin testet ich am 18.02.19 PU+12 & TF+10 und der Test war weißer als weiß! Ich heulte natürlich und sagte mir aber das es auch immer wieder Fälle gibt wo das HCG halt später ansteigt. So war ich die letzten Tage vor dem Bluttest irgendwie ganz komisch positiv gestimmt. Am 22.02.19 war es dann so weit, ich fuhr alleine morgens zu Klinik gab mein Blut ab und hatte einen kurzen Kontrolltermin. Dort sah meine Ärztin das die Überstimulation noch da war. Zu Hause begann die qualvolle Zeit. Zum Glück war dann auch circa eine halbe Stunde bevor ich anrufen konnte mein Mann da. Meine Hände zitterten so stark und mein Herz pochte so schnell das mir schlecht wurde. Ich wählte die Nummer, die Arzthelferin musste im Computer nachschauen und dann sagte sie mir, dass es leider nicht geklappt hatte. Ich konnte es nicht glauben und fragte nochmal nach. Dann legte ich auf und fing mit Herzschmerz an zu weinen und fiel meinem Mann in die Arme. Ich konnte mehrere Minuten keine Worte finden. Es tat so weh ich fühlte mich einfach leer und nutzlos. Nicht nur das es negativ war, NEIN ich hatte auch noch diese unnötige Überstimulation und durfte nicht gleich laufen gehen. Ich hatte wirklich in diesem Moment das Gefühl als ob mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich wollte gar nicht in das Gesicht meines Mannes schauen, denn ich wusste auch für ihn war es wie ein Schlag.

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Natürlich ist es sicherlich für die Frauen besonders schwer auch wegen dem körperlichen Aspekt aber die Männer leiden garantiert auch darunter. Ich konnte den ganzen Tag nichts essen und wusste auch nichts mit mir anzufangen. Zum Glück hatte ich den Marathon Platz im September fest, so hatte ich ein Ziel woran ich mich festhalten konnte. Unser Sohn nahm es am besten von uns allen auf, wir hatten ihm kindgerecht im Vorfeld wieder alles erzählt. Er sagte ganz entspannt, dass wir doch noch einen dritten Versuch haben. Ja den haben wir aber ich brauche erstmal eine Pause, der Schmerz ist einfach noch größer, die Enttäuschung noch schlimmer und die Hoffnung noch viel kleiner. Und ich weiß wenn wir den dritten Versuch starten ist es der letzte und somit endgültig. Irgendwann will man einfach versuchen einen Schlussstrich zu ziehen. Ich möchte nicht noch öfter in so ein Loch fallen. Aber erstmal steht jetzt im Vordergrund wieder das Gewicht zu reduzieren, denn leider habe ich durch die zwei negativen ICSI´s von 75kg auf 80,03 zugenommen. Wir haben als Trost unseren Sommerurlaub gebucht und ich möchte wieder in meine Shorts passen. Zudem ist es garantiert auch besser für den geplanten Marathon wenn ich ein paar Kilos weniger wiege. Mal schauen ob wir dann Ende des Jahres die letzte künstliche Befruchtung starten. Bis dahin möchte ich einfach Abstand dazu gewinnen und glücklich sein mit dem was ich habe.

Aber an alle Paare die da draußen noch kämpfen, ihr seid nicht alleine und ich wünsche euch vom Herzen das euer Traum nach einem oder mehreren Kind/ern in Erfüllung geht. Es ist wirklich teilweise sehr schmervoll aber es gibt auch wiederum so viele positive Geschichten, lasst euch durch meine nicht runter ziehen oder nimmt es als Wunder an das wir einen Sohn haben der ohne Unterstützung entstanden ist. Gebt die Hoffnung nicht auf, wir machen es auch nicht, nur macht sie gerade Urlaub und kehrt dann wieder bald zurück!

Eure Sandra ❤


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