Der dritte HM in Szczecin

Wenn man nicht mal von einer PB träumt und diese dann doch geknackt wird!

Anfang des Jahres ging ich immer wieder auf die polnische Internetseite um zu schauen ob die Registrierungen schon offen waren für den Halbmarathon in Stettin 2018. Irgendwann war es dann so weit und mit Schmetterlingen im Bauch meldete ich mich an. Es war aufregend denn dies sollte mein erster Lauf außerhalb Deutschlands sein. Praktisch, dass dort meine Bekannte mit Familie lebt und genau SIE mein Laufvorbild ist. Von Anfang an war klar, dass wir gemeinsam an den Start gehen werden.

Am 24.08 machten wir uns mit Sack und Pack im Auto Richtung Polen. Dort angekommen wurden wir, wie üblich mit Essen überschüttet und natürlich auch mit etwas alkoholischem. Es gab aber zum Glück “nur“ Wein, alles andere wäre wohl fatal gewesen. Es war ein super lustiger Abend mit neuen erfunden polnischen Wörtern meinerseits 😀

Am nächsten Morgen lief alles sehr entspannt ab, wir machten uns alle fertig und frühstückten erstmal. Ich muss zugeben einen kleinen Kater hatte ich ja doch und daher bediente ich mich reichlich an der typisch polnischen Wurst. Danach ging es zur Startnummer Ausgabe.

Dort war eigentlich noch nicht wirklich viel los und  demnach war´s ratzifatzi erledigt. Noch schnell ein paar obligatorische Fotos geschossen und weiter ging´s zum Hafen. Dort gab es erstmal einen Kaffee und dann einen ausgiebigen Spaziergang. Kurz bevor es dann anfing richtig zu schütten hatten wir es bereits wieder ins Auto geschafft. Dann gingen wir erstmal was essen, um die leeren Speicher aufzufüllen. In einem kleinen unscheinbaren Italientischen Restaurant gab es natürlich Pizza und die war auch sehr lecker.

Danach ging es nach Hause um ein wenig zu chillen und abends gab es nochmal einen kleinen Spaziergang allerdings zum Start und Zielbereich. Das steigerte schon mal sehr gut die Vorfreude. Müde und zufrieden ging es dann schon sehr früh ins Bett und um 6 Uhr klingelte dann erneut der Wecker. Meine Nacht was das allererste Mal sehr angenehm und ich fühlte mich auch tatsächlich ausgeruht. Für mich gab es die Standard Prozedur mit Schminken und Haare machen, JA das mache ich auch vor einem Lauf, das bin nun mal zu 100% ICH!

Wir aßen jeder ein Brötchen mit Marmelade, eine Banane und ich trank einen kleinen Kaffee. Vorher hatte ich natürlich schon reichlich Wasser zu mir genommen. Dann ging es ohne unsere Männer zum Event.

Ich war eigentlich relativ entspannt. Dort angekommen trafen wir einige Leute aus der Laufcrew meiner Bekannten und ich verschwand wie immer nochmal zum Pipi machen. Danach bewegten wir uns schon Richtung Startblock, wo Kasia einfiel das sie auch nochmal muss, typisch Frau 😀 Also wartete ich 5 Minuten vor Start, sehr aufgeregt quasi alleine im Block und hoffte, dass sie rechtzeitig wieder da sei. Ungelogen 3 Minuten vor Start war sie plötzlich da und auch unerwartet unsere Männer. Ich freute mich so sehr nochmal Junior vorher gesehen und von meinem Mann einen Kuss bekommen zu haben. Das gab mir wie immer Kraft und die Stärke fürs laufen.

Dann war es soweit die ganze Meute zählte runter und zack war der Startschuss gefallen, es ging los. Mit einem sehr guten Gefühl überquerte ich die Startlinie. Die ersten Meter waren natürlich total euphorisch und ich hatte eigentlich eine langsame Pace angepeilt. Da es aber ganz gut lief und auch der Puls super aussah blieben wir bei dem Tempo. Leider hatte ich von Anfang an dieses Gefühl das ich hätte nochmals Pipi machen sollen, aber da war es nun zu spät und ich sagte mir, das schwitzte ich einfach aus beziehungsweise bin ich so schneller im Ziel um aufs Klo gehen zu können 😀 Ein anderer ungewohnter Stören Faktor war das meine Lauf Hose plötzlich rutsche, immer wieder zog ich sie hoch bis sie von alleine hielt haha.

Während wir dann an der Wohnung meiner Bekannten vorbeiliefen und in eine Straße einbogen erblickte sie ihren Mann. Der, sagen wir mal etwas verpeilt, in die Menge schaute und uns übersah. Kasia rief ihm erstmal einen lustigen Spruch zu, so dass einige schmunzeln mussten. Er fing dann plötzlich an zu sprinten um uns ein Foto zu machen. Danach ging es weiter über Kopfsteinpflaster, teilweise auch durch einen Park. Da entdeckten wir eine Gruppe, die allesamt wie Spartaner gekleidet waren und animierende Laute von sich gaben.

Davon machte ich zufällig ein Video bis ich checkte, dass wir in dem Moment an unseren Männern vorbei liefen. Mein “kleiner Hallo“ rannte los und meine Augen füllten sich mit Tränen, ich fand es irgendwie total ergreifend. Mit positiver Energie ging es dann weiter auf die unbekannte Strecke. Ich schätze etwas über einen Kilometer später sahen wir nochmal unsere Liebsten.

Die ersten 10 Kilometer waren wirklich sehr schön und auch nicht wie die letzten Male anstrengend, obwohl ich die ganze Zeit mein Handy in der Hand hielt um euch bei Instagram auf dem Laufenden zu halten. Immer mal wieder ging der Blick auf die Uhr und ich war überrascht welches Tempo ich mit einer guten HF halten konnte. Natürlich gab es auch einige Ausreißer. Denn Stettin hat echt krasse Steigungen die dann gepaart mit der unebenen Straße sind wo man sehr aufmerksam sein muss, das man nicht umknickt. An diesem Tag stimmte aber einfach alles. Die Menschen die uns anfeuerten und Radau für uns machten waren phänomenal. Total süß das auch viele ältere Menschen mit so viel Begeisterung uns zujubelten! Es gab jede 4 Kilometer einen Wasserstand und immer mal wieder waren große Boxen aufgebaut wo koole Musik durch dröhnte. Ich war verzaubert von dieser Stadt und dieser Lauf hat irgendwas in mir ausgelöst!

Bis Kilometer 17 lief alles easy aber dann wurde es doch noch hart. Ich fing an die Meter runter zu zählen und jeder weiß wenn man an diesem Punkt ist zieht es sich wie Kaugummi. Aber noch konnte ich lachen und die Rakete neben mir motivierte mich immer und immer wieder von neu. Ich erinnere mich ganz genau an den allerletzten Kilometer, ich wollte aufgeben, ich jammerte meine Akkus waren alle. Aber meine Bekannte schrie mich mit einem Lächeln an und fragte mich ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. Das Ziel war zum Greifen nah. Und da sah ich meinen Junior der über beide Ohren grinste und dann ein Stückchen mitlief.

Das machte mich ein wenig fertig denn er wollte mit ins Ziel laufen aber wir waren zu schnell. Das nächste Mal werde ich langsamer machen um gemeinsam mit ihm ins Ziel zu laufen ❤ Kasia nahm mich an die Hand und sie sprintete los, ich lief wie ein nasser schwerer Sack neben ihr her. Sie grinste wie ein Honigkuchenpferd und ich starb innerlich. Dieses kurze Stück über den roten Teppich werde ich nicht vergessen, es fühlte sich wie in einem Film an. Die Leute jubelten und ich sprach mir selbst zu das es nur mein Kopf sei der nicht mehr kann aber ich doch viel stärker bin.

Und da überquerten wir das Ziel wo ich ein wenig nach Luft japsen musste, dabei fiel mir der fette Bildschirm ins Auge wo mein Name als zweites stand und das mit der neuen PB 02:12:36!!! Ich stieß einen kleinen Freudenschrei aus und umarmte meine verrückte Rakete. Ich dankte ihr und wir umarmten uns nochmal und holten uns voller Glück die Medaillen ab! Ich war so positiv überrascht und hatte damit nicht gerechnet. Trotz ungewollter, spontan neuer Bestzeit hatte ich eine Menge Spaß und Freude bei diesem Lauf. Alle Tränen und Enttäuschungen vom Berliner Halbmarathon sind vergessen.

Am gleichen Nachmittag ging es frisch geduscht, gestärkt und glücklich wieder zurück nach Hause. Und das Beste, das nächste Mal laufen wir 2019 den Halben in Berlin zusammen und diese ist übrigens ihre Lieblingsstrecke 😀 Davor sollte ich definitiv einen Trainingsplan machen!

Dieses Jahr stehen eigentlich nur noch 3 Läufe auf dem Plan aber man weiß ja nie ;P Jetzt genieße ich aber erstmal weiterhin die neue Bestzeit!

Eure Sandra 🙂


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