Der zweite (horror) Halbmarathon

Wir kennen doch alle diese berüchtigte Weisheit, hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiter geht’s?! Nicht ganz mein Ding mit der Krone aber so in etwa musste ich mich nach meinem zweiten Halbmarathon motivieren. Aber fangen wir mal zuerst mit dem Schönen an.

Und dieser wunderbare Teil begann am Samstag als ich mich mit meinen #stronggirlsdontwalk zur Startnummernausgabe verabredet hatte. Ich war aufgeregt, denn für mich war es der erste offizielle Berliner Halbmarathon! Auf der Messe angekommen traf ich ein paar sehr nette Instagramer (sorry Nicky unser Foto habe ich nicht) und wir quasselten ein bisschen bis alle aus meiner Crew da waren.

Dann holte ich als letzter Depp meine Unterlagen und wir machten uns bereit für ein Gruppenfoto. Dazu schmissen wir UNSER  Shirt über! Teilweise war uns auch egal, dass es keine Umkleidekabinen gab, selbst ist das Stronggirl 😉 Dann ging es ans Eingemachte, dazu wurde Marcel von Adidas ausgenutzt! Da mein Mann an diesem Tag nicht mit kommen konnte mussten wir ausnahmsweise jemand anderen finden. Das klappte auch ziemlich gut und wir machten dabei ungewollt Radau! Zwischenzeitlich schrien wir ausversehen den Hashtag #sandraunddiestarkengirls durch die Halle! Dabei bemerkten einige das wohl ich Sandra sei und die anderen meine Girls 😀

Das alles war schon sehr lustig und wir hatten viel zu lachen! Danach ging es zum Carboloading Richtung Kudamm. Angekommen bei L’Osteria wartete ein großer Tisch auf uns! Denn noch drei weitere Girls stoßen dazu und so genossen wir die hammermäßige leckere Pizza!

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Danach ging es nach Hause und die Aufregung wurde immer größer. Während des kompletten Tages hatte ich über 2 Liter Apfelwassersaft und Wasser sowie Kaffee getrunken. Das hatte mir bei meinem ersten HM super geholfen. Kurz nach 23 Uhr versuchte ich dann zu schlafen, leider wachte ich mehrere Male auf und um 6 Uhr klingelte leider der Wecker!

Am Morgen war ich eigentlich relativ entspannt und fröhlich. Wir fuhren auch in einer guten Zeit los und machten einen Zwischenstopp bei einer Freundin die mir lieberweise die Haare schön machte. Danach ging es Richtung Alexanderplatz, dort war es ein wenig kompliziert einen Parkplatz zu finden aber irgendwie ging es. Währenddessen hatten wir, in unserer Whats App Gruppe Kontakt wo sich alle aufhielten. Da ich aber wie immer auf die Toilette musste, stand ich über eine halbe Stunde in der Schlange und drehte fast durch! Als ich dann endlich fertig war musste ich schnell in den Start und Zielbereich. Da mein Mann kleine Sektflaschen im Rucksack hatte musste er mit Junior und seinem Cousin draußen bleiben. Also verabschiedete ich mich, es gab einen Kuss und weg war ich!

32516544_UnknownDa ich mich dieses Mal dazu entschieden hatte ohne Handy zu laufen war ich total Planlos. Hm, Treffpunkt war bei den roten Trucks, aber wo waren die? Ich irrte rum und fragte jemanden wo die seien, dann rannte ich in die richtige Richtung! WTF, dann sah ich das es ganz viele davon gab?! Vorher war die Rede von einem? Ich wurde panisch, wo waren die Mädels, ich lief bis zum Ende und fragte dann eine nette Helferin, weil mir die Zahl 75 im Kopf rumschwirrte und dieser war quasi ganz vorne. Also rannte ich wieder zurück und hielt Ausschau nach den Shirts. Gott sei Dank da waren ja alle, teilweise hatte ich schon einen Kloß im Hals weil ich nicht alleine starten wollte! Völlig durch den Wind wurden erstmal alle begrüßt und dann ging es auch schon in unseren Startblock! Während wir dort warteten knallte die ganze Zeit die Sonne auf uns, das machte aber erstmal der guten Laune keinen Schaden und ich versuchte den Lauf in meinem Kopf zu bagatellisieren!

2cb9f62a-bce9-4153-9093-14caf916c3c7Dann war es so weit, die Masse bewegte sich, wir waren insgesamt 6 Girls die vor hatten in einer 6er Pace zu laufen. Es gab einen kleinen Plan, wer wie das Tempo vorgab, ich war zum Glück aus dem Schneider! Dann ging es los wir liefen über den Start! Ich wusste, dass mein Mann, mein Sohn, mein Papa und der Cousin meines Mannes bei Kilometer eins auf uns warten würden. Schon vom weiten sah ich sie und die anderen auch, so jubelten wir los. Das war so geil, wie wir uns feierten und auch die anderen Leute mussten lachen! Ich habe mich so sehr gefreut meine Liebsten zu sehen!

Und es gab sogar Konfetti, leider flog dieses in eine andere Richtung, doofer Wind. Wer mich kennt der weiß, dass ich mit ihm sowieso auf Kriegsfuß bin! Kurz darauf ging es durchs Brandenburger Tor und weiter Richtung Siegessäule.

sportograf-116931894Danach wurde es für mich immer schwerer dem allem zu folgen. Es war so warm, die Sonne knallte ununterbrochen auf uns alle und ich fühlte mich nicht gut. Bis Kilometer 10 und der ersten Trinkpause konnte ich mit den Girls mithalten. Danach war klar heute geht nichts. Ich lief wieder los und fragte mich ernsthaft wie ich noch weitere 11 Kilometer weiter laufen soll? Das machte meinen Kopf kaputt. Da ich aber kein Handy oder sonst was dabei hatte gab es keine andere Option als weiter zu laufen. So quälte ich mich Meter für Meter weiter. Die Pace wurde immer langsamer und mir wurde schlecht. Ich kämpfe so sehr, bis ich mir eingestehen musste das ich eine Geh Pause machen muss, sonst wäre ich umgekippt. Mit schwerem Herzen ging ich und es tat so gut, Leider! Da kam der nächste Getränkestand, endlich wieder Wasser ich schnappte mir gleich zwei! Plötzlich sprach mich eine Frau an und sagte, dass sie mich von Instagram kenne und sie mir gleich hinterher kommt. Ich ging einfach ein paar Schritte und schon hatte sie mich eingeholt. Sie lächelte so schön und ich konnte ihr leider nur sagen wie sehr ich gerade abkacke. Mit der Bitte, dass sie mir schreiben sollte wie es bei ihr dann noch gelaufen ist, zog sie weiter! Ich beneidete sie, im positiven Sinne, sehr in diesem Moment!

Ich kann mich noch kaum an die Umgebung erinnern, da ich nur beschäftigt war zu beten, dass ich heil und gesund irgendwie im Ziel ankomme. So wurde ich aus meinen Gedanken gerissen als wieder jemand meinen Namen sagte und sie dabei schon sah, dass ich kämpfte. Meine Lippen waren so trocken, lächeln konnte ich nur noch wenig und ich wünschte ihr auch viel Spaß weiterhin und so zog auch sie an mir vorbei. Ich fragte mich währenddessen, wie ich so jemals einen Marathon schaffen will, ich bin so schwach, das wird nie was! Ein Blick auf die Uhr nur noch ein paar Kilometer.

sportograf-116726240Sandra du musst kämpfen, du musst ins Ziel kommen, egal mit welcher Pace Hauptsache durch! So vertieft in meinen inneren Kampf merke ich erst etwas spät das eine Frau neben mir herlief und auf meine Startnummer schaute um sich zu vergewissern das ich dieses Häufchen Elend wirklich Sandra sei! Ja das war leider ich, wir unterhielten uns kurz und auch sie düste ab und ich konnte ihr nur hinterherschauen. Total klasse was diese drei Frauen an diesem Tag geleistet hatten und ich durfte sie quasi kurz kennenlernen :) Immer wieder legte ich Gehpausen ein sicherlich insgesamt 4-5 Stück. Manchmal war es mir tatsächlich ein wenig peinlich, wegen des Hashtags #stronggirlsdontwalk aber man ist doch auch stark wenn man Schwäche zeigen und zugeben kann! Und ich habe gekämpft fast bis zur völligen Erschöpfung. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass mein Mann und sein Cousin auf mich bei Kilometer 20 warten, hätte ich vielleicht abgebrochen. Ich war so froh die beiden zu sehen. Mein Mann hatte schon geahnt das etwas nicht so gelaufen ist wie gedacht, ich blieb kurz stehen und sagte ihm wie schlimm es lief, er motivierte mich weiter zu machen!

Also ging es Richtung Ziel. Noch nie hatte ich es mir so sehr gewünscht die Matten zu passieren! Endlich war ich angekommen, mein Gott was für ein beschissener Lauf.

sportograf-116861762Ich brauchte Wasser, dann nahm ich noch eine Banane und ein Bier. Da entdeckte ich eine Instagram Bekanntschaft und wir redeten kurz. Weil ich aber merke, dass mir schwarz vor Augen wurde musste ich weiter gehen. Dabei sah ich so einige die am Rand lagen und medizinisch Betreut wurden. Auch während der Strecke war das so und man hörte währenddessen auch immer wieder einen Krankenwagen.

Ich wurschtelte mich durch die ganze Masse und wartete bei dem Treffpunkt der mit meinem Mann verabredet war. Kurz darauf waren die beiden auch schon da und feierten mich trotzdem. Ich konnte leider nur immer und immer wieder betonen wie kacke dieser Lauf doch gewesen war! Nach einer Weile kamen die restlichen Girls und wir stoßen dann doch noch an. Ich hatte ja vorher gesagt, wenn ich ne glatte 6er Pace schaffe trinke ich das Ding auf Ex. Was ein guter Witz, so gab es wenigstens einen Schluck! Der Großteil von uns war unzufrieden und hatte daran zu knabbern. Aber schließlich waren wir nicht alleine, sondern hatten UNS als Crew und wussten wie sich der andere fühlte! Die Hauptsache war doch, dass wir alle gesund ins Ziel gekommen waren! Ich muss sagen von der Stimmung her an der Strecke, hatte ich mir irgendwie mehr erhofft. Ich weiß nicht ob das an mir lag oder ich einfach zu viel erwartet habe. Aber nächstes Jahr werde ich hoffentlich die nächste Gelegenheit dazu haben das erneut auszutesten! Denn Berlin und ich haben nämlich nun eine Rechnung offen!

Im Mai laufe ich dann das erste Mal die 25 Kilometer und werde dort ohne Zeit Ziel starten, wenn das gut läuft dann versuche ich im August in Stettin (Polen) beim HM mein Glück erneut!

Im Nachhinein, wenn ich das jetzt alles revoir passieren, muss ich sagen, shit happens ich setzt nun einen Hacken dahinter und gut ist. Schließlich läuft das Leben ja auch nicht immer rund, wieso sollte das dann beim Laufen auch anderes sein! Und solche Erfahrungen muss man mal auch gemacht haben, dass nächste Event wird besser und ich lasse mich nicht unterkriegen! Und DANKE Girls das es euch gibt, ich freu mich auf viele weitere Läufe mit euch!

In diesem Sinne kämpfen wir, wie immer weiter!

Eure Sandra


6 Gedanken zu “Der zweite (horror) Halbmarathon

  1. Ach tolle und nette Worte über mich !! Ich danke dir.. vielleicht hätte ich noch ne Weile neben dir her laufen sollen…. Beim nächsten Mal!!! Garantiert. Beste Grüße, Julia (die vom Getränkestand!)

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  2. Hallo liebe Sandra, ganz herzlichen Glückwunsch zu Deinem HM-Finish! Ich habe Deinen Blog gelesen und bin hin-& hergerissen. Ich finde es richtig & gut Ziele zu haben, jedoch ist Ehrgeiz manchmal auch nicht nur gesund. Ich finde es toll, dass Du Dir die Gehpausen gegönnt hast, was nützt es nicht ins Ziel zu kommen? Ich habe bei vielen Läufen in den vergangenen Jahren schon viele Läufer kollabieren sehen und jedes Mal frage ich mich, um welchen Preis? Für eine Zielzeit? So sehr ich die sozialen Netzwerke schätze, so sehr sind sie auch Fluch. Viele wollen zeigen, wie schnell sie sind und dann macht der Körper nicht mit. Na klar, bei 20 Grad und Sonnenschein ist es schwierig eine Bestzeit zu laufen. Na und? Du kannst noch sooo viele Läufe finishen und Dich austesten. Ich wünsche Dir eine gesunde Einstellung zum Laufen und auf das Du Dich über gefinishte Läufe freust, egal in welcher Zeit.
    Viel Spaß beim S25! 👣👣👣 Herzliche Grüße, Christine

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    1. Hallo liebe Christine, entschuldige das ich mich erst jetzt melde! Du hast recht, es war ein wenig zu viel gewollt! Am Sonntag bei meinen ersten 25k bin ich ganz anders ran gegangen und es war wunderschön! Und ganz lieben Dank für deine Worte!
      Liebe Grüße Sandra

      Liken

      1. Liebe Sandra, herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten 25km-Lauf! Genieße es und ich freue mich sehr, dass Du die Zeit aus Deinem Kopf verbannnen konntest! 25km, die müssen erst einmal gelaufen werden, egal wie schnell. Bleib gesund und hab weiterhin viel Freude am Laufsport. Liebe Grüße, Christine

        Gefällt 1 Person

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