Magersucht & Übergewicht

Magersucht… Noch nie habe ich mich ausführlich dazu geäußert! Zu einem weil dies ja schon lange her ist. Und zum anderen weil das Übergewicht in den letzten Jahren mehr als präsent war und dominierte.

Wenn ich nun im Nachhinein darüber reflektiere erkenne ich, dass beide Lebensweisen total ungesund waren und negativ gegen meinen Körper gearbeitet haben!

Aber woher kam das? Im Großen und Ganzen muss man sagen, jede Essstörung hat ein tieferliegendes Problem. Ich musste von Geburt an für mein Leben kämpfen, denn ich war ein Extrem Frühchen. Meine Eltern taten wirklich alles für mich, ich hatte das Rundumsorglos Paket mit viel Liebe. Als junges Mädchen war ich ein klein wenig mopsig, obwohl ich immer wieder in verschieden Sportvereinen war (Ballett, Judo, Volleyball usw.). Mich störte dies nicht besonders, bis ich in die Pubertät kam und im Urlaub, am Strand, nur noch mit einem Handtuch bekleidet rumlaufen wollte. Dieser Gedanke entstand zu 100 Prozent durch die Medien, vor allem durch Mädchen Zeitschriften und auch dem Fernsehen. Die Schule beziehungsweise die Klassenkameraden/innen leisteten im negativen Sinne auch ihren Beitrag. Mich traf es nicht so hart, weil ich eher der Klassenclown war und so meine wirklichen Gefühle kaschieren und überspielen konnte. Dennoch ging ich nach der Schule in den nächsten Supermarkt und kaufte mir heimlich eine Tafel Schokolade und aß sie auf. Meine Eltern achteten allerdings immer darauf, dass ich nicht zu viele Süßigkeiten zu mir nahm und es gab auch immer frisch gekochtes Essen, aber der Schweinehund wollte immer und immer wieder mehr schlechtes Zeug, als es gut für mich war!

Irgendwann mit 16 Jahren, wurde ich dann aufmerksam durch eine ehemalige Freundin auf eine Trink “Diät“. Ich wog etwas über 60kg und empfand mich da als Fett. Diese Diät bestand daraus, dass zwei Mahlzeiten als Shake zu sich genommen wurden und eine Mahlzeit dann eine “fest“ war. So fing der Hunger Marathon an. Zwar purzelten sehr schnell die Kilos aber auch mein Allgemeinbefinden wurde immer schlechter. Ich kann mich generell nur schwer Konzentrieren und mit kaum Essen/Energie war ich nur ein Schatten meiner selbst. Das einzige was mich vorantrieb, war die Gewissheit, dass ICH das Gewicht in der Hand hatte. Ich konnte es kontrollieren. Am Anfang gab es viel positives Feedback, vor allem von den Mädchen/Frauen. Das war die Höchste Anerkennung für mich und spornte mich weiter an. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich im Kunst Unterricht saß und mit einem Taschenrechner meinen BMI ausrechnete und dieser ENDLICH Untergewicht anzeigte, ich hatte es geschafft (zu diesem Zeitpunkt wog ich sogar 48kg). Obwohl ich total ausgelaugt war, mein Gesicht krank aussah, ich vom nicht essen bestimmt aus dem Mund stank, wollte ich mehr, mehr abnehmen.

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Da kam ich in eine Beziehung und nahm ungewollt etwas zu. Leider vermittelte mir auch dieser Mann kein gutes Verhalten zum Essen und zu meinem Körper. Ich durfte nicht alles essen und es kamen auch ab und zu komische Sprüche. In meinem Kopf war das totale Durcheinander. Obwohl ich wieder abnehmen wollte, schaffte ich es nicht mehr auf das Essen zu verzichten. Ein typischer Effekt, den der Körper bekam endlich mal wieder regelmäßig Nahrung zu sich und hatte dann Angst wieder in eine Hunger Phase zu kommen. Zwar sah ich gesünder aus aber in meinem Kopf war kodiert das ich wieder zu fett sei!

So ging es dann einige Jahre ich war NIE zufrieden mit mir und meiner Figur. Bis der Tag kam und ich meinen jetzigen Mann kennenlernte. Er gab mir das Gefühl, egal wie ich aussehe perfekt für ihn zu sein. Ich konnte essen und trinken was ich wollte und niemand meckerte. Zu dem Zeitpunkt wog ich genauso viel wie aktuell (73-74kg). Wie es nun mal in einer Beziehung so ist nahmen wir beide zu, trainierten uns (Krafttraining)  aber die Kilos wieder ab. Dann wurde allerdings bei mir eine Schilddrüsen Überfunktion mit einer Autoimmunerkrannkung Morbus Basedow festgestellt und ich musste operiert werden. So kam es dann, ganz ohne Sport und wieder in alte Muster verfallen das ich zunahm (auf ca. 84kg) und schwanger wurde. Das war für mich der Freifahrtschein um ungezwungen VIELES essen zu können. Ich denke in der Schwangerschaft holte ich einfach alles nach worauf ich in meiner Magersucht Phase verzichtet hatte. Mit dem Argument wenn ich stillen würde, purzeln sicherlich auch die Pfunde. Am Ende wog ich 116kg und sah nicht mehr gesund aus! Leider klappte es auch nicht so wie gedacht (mit dem stillen) und ich landete nach der Geburt und mehreren Monaten bei knapp 100kg. Fast jeden Tag wenn ich in den Spiegel sah ekelte ich mich vor mir. Das schlimmste allerdings war, wenn ich angesprochen wurde ob denn das nächste Kind schon unterwegs sei?! Da antwortete ich kackendreist :“Ich bin nicht schwanger, sondern nur Fett!“ Und schon war die Sache geklärt ich schämte mich dann weniger und die Person gegenüber dafür umso mehr!

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Wenn ich junge dünne Mama´s sah, beneidete ich sie und verweilte im Selbstmitleid. Immer wieder kamen die gleichen Ausreden. Und während ich jammerte gönnte ich mir mal wieder einen Schokoriegel, wie dumm kann man nur sein! Dann kam zum Glück dieser EINE Tag der alles veränderte. Mit der Ernährungsumstellung, dem Laufen und der Abnehme purzelten nicht nur die Kilos sondern auch meine Einstellung veränderte sich. Ich verstand, dass es nicht wichtig sei Beine wie Streichhölzer zu haben und dass ich auch meinen Körper in einer gesunden Art und Weise unter Kontrolle haben kann. Das ich damit positive Dinge verändern und beeinflussen kann. Mein Wunschgewicht liegt bei 65-68kg einfach das ich einen kleinen Puffer nach oben habe. Ich bin zwar jetzt schon ganz zufrieden, allerdings stört mich nur noch mein Hängebauch, wäre dieser nicht so stark würde ich sogar bei dem Gewicht bleiben. Ich habe mich dennoch gelernt zu akzeptieren, mich zu lieben und zu zeigen was ich habe. Egal ob man beim Sitzen die Fettrollen raus gucken, oder die Cellulite hervorblitzt. Man muss im Großen und Ganzen mit dem zufrieden sein was man hat, sonst spinnt man sich nur immer und immer wieder in etwas hinein.

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In diesem Sinne #bodylove seid gut zu euch und eurem Körper

Eure Sandra


2 Gedanken zu “Magersucht & Übergewicht

  1. Liebe Sandra, ich habe mir soeben deinen Artikel durchgelesen und bin so riesig stolz auf dich! Ich kenne dich und deinen lieben Mann und bin so froh, dass du ihn an deiner Seite hast, da er dir so viel Kraft gibt und vor allem den Freiraum, und die Motivation die man nur von so einem liebenswerten Mann bekommen kannst. 😉 (da könnten sich manche Männer eine scheibe abschneiden ;D)

    Das du so offen über deine Kindheit/Jugend berichtet hast, finde ich grandios und ziehe einen Hut vor dir. Und ich finde dich sooooo wunderschön. Bleibe immer am Ball und gib dich niemals auf. 😉

    Ganz liebe Grüße und ein knuddelknutsch…

    Deine Jessi 😍

    Gefällt 1 Person

    1. Danke meine liebe Jessica für deine Worte! 😘 Ich bin auch sehr froh ihn an meiner Seite zu haben, dadurch ist einfach vieles leichter!
      Ich bleibe auf jeden Fall am Ball, es macht mir zu viel Spaß als das ich wieder aufhören würde und es ist einfach allgemeiner leichter 💪🏻
      Ich Danke dir nochmal für deine Worte ❤️
      Ganz liebe Grüße Sandra

      Liken

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